Timeless Duo

Dirk Bleicker

Tour: Oct 2026, Feb/ Mar 2027, on request

Aki Takase & Daniel Erdmann: Timeless

„Aki ist ein Ausnahmefall. Sie hat so viel Energie!“ – Und das gilt auch für das Duo der Grand Dame des Jazzklaviers mit dem Saxophonisten Daniel Erdmann. Nun ist auch Daniel Erdmann keine Sofakartoffel, sondern mit zahlreichen Projekten und Bands auf Jazzbühnen präsent. „Thérapie de Couple“ zum Beispiel führt als deutsch-französisches Sextett grenzüberschreitend modern improvisierende Jazzideen zusammen.
„Velvet Revolution“ ist ein hinreißend kammerjazziges Trio mit Geige, Vibraphon und neuerdings auch Stimme als Ergänzung, die Erdmanns Saxophon eine Prise fröhliche Theatralik entgegensetzt. Überhaupt haben alle seine Projekte im vergangenen Vierteljahrhundert diese spezielle Mischung aus großem Ton und ästhetischem Zweifel, den er bevorzugt mit musikalischem Humor ausräumt.

Das Duo mit Aki Takase jedoch hat eine spezielle Qualität. Denn die inzwischen 78-jährige japanische Pianistin und Wahl-Berlinerin schafft es, Persönlichkeit und Universalität in immense musikalische Kraft zu verwandeln. Sie hat mit Legenden von Joe Henderson bis David Murray gespielt und reihenweise Auszeichnungen gesammelt, wie zuletzt den Deutschen Jazzpreis für ihre Lebenswerk. Ihre Bands waren und sind Sprungbretter der pfiffigen Avantgarde. An ihrer Seite kann und darf man reifen, wie auch Daniel Erdmann damals, den Aki Takase in den Neunzigern in ihr Berliner Sextett holte. Der Newcomer hatte sich als Student in Ensembles der Hanns-Eisler-Universität bewährt, die sie als Gastprofessorin anleitete. Ein Glücksfall für beide Seiten. Denn der eine konnte von dort aus mit Nachdruck in die Szene starten und die andere hatte einen kraftvollen, klangsensiblen Tenorsaxophonisten in der Band.
Dann gingen beide ihrer Wege, bis sie sich 2017 zufällig am Pariser Flughafen trafen. Am Terminal war Zeit für einen Gesprächskaffee mit der losen Verabredung, sich zu privaten Sessions zu treffen. Am Ende wurde das Quintett „Japanic“ mit Daniel Erdmann daraus. Und es entstand ein Duo als Kernzelle des Kreativen, das mit „Isn’t It Romantic?“ (2021) und „Ellington“ (2024) seitdem zwei Alben veröffentlicht hat. „Timeless“ knüpft nun daran an und ist mehr als ein neues Programm: „‚Timeless‘ ist ein Konzept, das sich nach allen Seiten der Zeit hin öffnet. Es beinhaltet zum Beispiel Workshops mit jungen Musikern, größeren Besetzungen, aber auch kleine Konzerte in Clubs, Austausch in viele Richtungen auf der Basis der Stücke, die wir jetzt aufgenommen haben. Der Begriff ‚Timeless‘ bedeutet ja viel. Wir schöpfen beide aus der Tradition und blicken beide in die Zukunft“.

Aufgenommen wurde zwei Tage lang im vergangenen Herbst in Berlin, selten mehr als zwei Takes pro Stück. Das Repertoire war schon fest in der Duo-Sprache verankert („Wir proben beide sehr gern und spielen viele Konzerte“). Ein Standard von Thelonious Monk („In Walked Bud“) und ein Motiv von Franz Schubert wurden verarbeitet, der Rest stammte aus eigener Feder. Bei zwei Stücken stieß „DJ Illvibe“ Vincent von Schlippenbach mit rhythmisch schweifenden Turntables zum Team. Die Grundlage aber ist die Energie des Duos.
Sie führt musikalisch in feine Assoziationen wie in „Niigata“, ein Klangporträt der gleichnamigen japanischen Stadt. Oder in schillernde Tanzandeutungen im Spiel mit improvisierender Auflösung („Eyes Of Wind“). In balladenhaftes, sich umrankendes Erzählen („Fire And Water“), in Hörgemälde mit impressionistischem Ausgangspunkt („Suiteki“), in das Spiel mit wechselnder Ausdehnung von Zeit („Miniatur“) oder auch in rhythmisch perkussive Wucht („Reveal Our Identity“). „Timeless“ wird damit selbst zum Ausnahmefall, zu
einem Fest des Kreativen im Dialog zweier ernsthaft verspielter Persönlichkeiten.

Ralf Dombrowski, Liner Notes

 

Das Schaffen von Duke Ellington – seine Kompositionen, seine Orchesterstücke, die Mannigfaltigkeit seines Werkes und sein Klavierspiel – erwies sich als geradezu idealer Ausgangspunkt für die Spielabenteuer im Duo. Ellington wurde zum Zündstoff für die Phantasie. Dabei fanden die beiden eine Vielzahl von Zugängen. Das Spektrum reicht von weitgehender Nähe zum Original bis zu Umdeutungen, von der Variation über die Dekonstruktion und Verfremdung bis zur Kreation von etwas gänzlich Eigenem, das sich nicht mehr vom Material der Vorlagen, sondern von der Stimmung, der Atmosphäre der Kompositionen bzw. Originalaufnahmen inspirieren lässt. Themen von Duke Ellington weisen dem Duo den Weg zum Essentiellen ihres gemeinsamen Spiels: zur Improvisation.

Aki Takase und Daniel Erdmann

Aki Takases Beschäftigung mit der Tradition durchzieht ihre gesamte künstlerische Biographie. Sie hat sich mit Fats Waller, W. C. Handy, Eric Dolphy, Ornette Coleman und immer wieder auch mit Duke Ellington beschäftigt – stets mit dem Ziel, tiefer in die inneren Zusammenhänge des Jazz einzudringen und sich für ihr eigenes Spiel inspirieren zu lassen. Dabei hat sie neben dem Solo insbesondere das Duo-Format bevorzugt.

Aki Takase & Daniel Erdmann by D. Bleicker

Die Musik von Duke Ellington eignet sich für die Duo-Exkurse vor allem auch deshalb, weil sie so universell ist und weil sie in der Jazzgeschichte einen zentralen Platz einnimmt. Ellington gelang der Brückenschlag von der Überlieferung zur Moderne, von der Tradition zur Avantgarde. So, wie sich Ellington selbst auf das Kontinuum der afroamerikanischen Musik bezogen hat, können Aki Takase und Daniel Erdmann sein Schaffen nun auch auf seine Vorgänger, seine Zeitgenossen und seine Nachfolger projizieren, es also in einen Zusammenhang stellen, der von Ragtime und Stride Piano über Thelonious Monk und Bud Powell bis zu Cecil Taylor, von Schönberg und Strawinsky bis zu Conlon Nancarrow, von Ben Webster und Coleman Hawkins über John Coltrane bis in die Gegenwart reicht.

Jedes der Duo-Stücke eröffnet einen anderen Zugang, entfaltet eine eigene Farbe. Swingende Fröhlichkeit steht neben balladesker Leidenschaft und romantischer Melancholie, impressionistische Leichtigkeit neben dichten Klangwolken. In der Summe entsteht ein multiperspektivisches Bild und natürlich – wie bei allen gelungenen Reminiszenzen im Jazz – auch ein Selbstportrait, in diesem Falle ein Doppelportrait. In der musikalischen Interaktion, im beseelten Miteinander entsteht das spannende Psychogramm des Duos. Ellington wird dabei zum gemeinsamen Bezugspunkt. Um seinen Spirit, der Charles Mingus zu einem seiner schönsten Stücke inspirierte – ein Stück, dessen Titel auch als Überschrift für diese Duo-Aufnahmen gelesen werden kann: „Duke Ellington’s Sound of Love“. Bert Noglik

Soundcloud Ellington

Short Bio Aki Takase

Daniel Erdmann wurde 1973 in Wolfsburg geboren. Er spielt seit 1983 Saxophon und studierte u.a. bei Gebhard Ullmann an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Er nahm Alben für verschiedene Labels auf, u.a. BMC, ENJA, ACT, LABEL BLEU, INTAKT und spielt weltweit Konzerte mit Bands und Musikern wie Das Kapital, Vincent Courtois, Aki Takase, Carlos Bica, Heinz Sauer, Samuel Rohrer, Henri Texier. 2014 gründete er die deutsch-französische Compagnie DAS ATELIER und seine neue Band Daniel Erdmann´s Velvet Revolution mit Théo Ceccaldi und Jim Hart. Das erste Album der Band bei BMC Records wurde mit dem Jahrepreis der deutschen Schallplattenkritik und einem Echo Jazz ausgezeichnet. Im Herbst 2020 wurde Daniel Erdmann im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals mit dem renommierten SWR Jazzpreis ausgezeichnet. Im Juni 2021 ist er Preisträger des erstmals vergebenen Deutschen Jazzpreises.

Die in Berlin lebende japanische Pianistin Aki Takase und der Saxophonist Daniel Erdmann, trafen  sich erstmals Mitte der 90er Jahre, als Takase Improvisation an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ unterrichtete und Daniel Erdmann zu dieser Zeit studierte. Im Jahr 2000 bekam Daniel Erdmann ein Stipendium des deutsch-französischen Kulturrates und zog nach Paris – damit endete vorerst die Zusammenarbeit mit der stilprägenden Pianistin. 15 Jahre später trafen sich die Beiden zufällig am Pariser Flughafen. Dort verabredeten sie sich, endlich wieder gemeinsam zu spielen. Noch im selben Jahr gründete Aki Takase das Quintett „Japanic“, das 2019 das Album „Thema Prima“ veröffentlichte.

Ihre Zusammenarbeit im Duo begannen die Beiden bereits 2019 und intensivierten sie während des ersten, durch Corona bedingten Lockdowns im Frühjahr 2020. Trotz der Beschränkungen und der technischen Tücken hatte das Ganze ein Gutes: die völlige Konzentration auf das Projekt. Über das erste Konzert in Frankreich schrieb Bruno Pfeiffer im Jazz-Blog der Zeitung Liberation: „Komplexe Akkorde und souveräne Melodien zusammen mit einer komplizenhaften Balance, bei der die Protagonisten wie zwei Läufer Hand in Hand die Ziellinie überqueren. Am Ende verlassen wir das Duo mit dem Drang zu tanzen“.

Anfang Juni 2021 wurde Beiden der erstmalig vergebene deutsche Jazzpreis verliehen.