Aki and the Good Boys

Aki and the Good Boys

Aki Takase-p
Rudi Mahall-bcl
Henrik Walsdorff-sax
Johannes Fink-bs
Heinrich Köbberling-dr

Die seit Jahrzehnten produktive Pianistin zeigt – in etwas anderer Besetzung – auf der Ende letzten Jahres erschienenen CD „AKI and the GOOD BOYS“ ihre Qualitäten als Komponistin. Der Live-Mitschnitt aus dem Berliner Jazzclub A-Trane – aufgenommen im März 2004 – präsentiert ein Quintett, das wieder in die Tradition greift, aber hier liegt der Schwerpunkt beim modern Jazz. Mit rasanten Läufen, mit heftigem Schlagzeugspiel wird schon im ersten – acht Minuten langen Stück – eine fiebernde Atmosphäre vorgegeben, eine Hitzigkeit, die direkt aus besten Bebop-Tagen zu rühren scheint.

Aki Takase – schräg wie immer – leitet ihre Komposition „Procreation“ mit einem durchkomponierten mehrstimmigen Intro ein, das wohl nicht zufällig wie eine Anverwandlung an Hanns Eislers kammermusikalisches 12-Ton-Werk klingt, schließlich hat sie an der Berliner Musikhochschule, die Eislers Namen trägt, von 1997 bis 1999 als Gastdozentin unterrichtet.

Takases GOOD BOYS spielen im A-Trane unter Dampf, dafür sorgt schon der herausragende Schlagzeuger Heinrich Köbberling (Mitglied des Julia Hülsman-Trio), der hier das fast durchgehend irrwitzig schnelle Tempo vorgibt. Zweiter Komponist des Albums ist – mit fünf Titeln, die Takases Einfluss nicht verleugnen – Bassklarinettist Rudi Mahall, der dem drängenden Schlagzeuger mit „Super Heinrich“ ein eigenes Stück beschert.

Aki Takase arbeitet elegant mit dem Wechsel zwischen impressionistischen Stimmungsbildern („Die Möwe“), Free Jazz-Passagen und unvermittelter Schlagerseligkeit, Bassist Johannes Fink unterstützt dies Spiel mit seinem schön gestrichenem Bass, Walter Gauchel (Flöte und Sopran- sowie Tenorsaxophon) hat mehrere brilliante Soli. Höhepunkt dieses Mitschnitts ist „Choco Amore“, mit einem kurzen Pianosolo vorweg, das – angetrieben vom groovenden Schlagzeuger – in eine Musik umgewandelt wird, in der Swing, Coltrane-Klänge, Bebop, Freejazz wild durcheinandergewirbelt werden, bis das ganze in eine Zirkusmusik übergeht, die schließlich im Harlem-Tingeltangel endet.

Diese GOOD BOYS mit Frau an ihrer Spitze sind witzig, farbig, und bei allem Mut zur Kakophonie jederzeit unangestrengt. Und weil es so gefallen hat, setzen die Musiker als Abschiedstitel ein wehmütiges „Tschüss“ hinterher, einen Schnodder-Song, wie er auch von Udo Lindenberg kommen könnte. Aki Takase, Fats Waller und ihre Jungs: Das sind zwei stimmungsvolle, kräftige und hochintelligente Produktionen für einen heftigen Frühling.

english

One thing seems certain: Takase may play Thelonius Monk compositions with David Murray. She may play Eric Dolphy pieces with Rudi Mahall. She may play Ornette Coleman classics with Silke Eberhard. But in all her versatility Takase remains surprisingly original and unique.

There is always a subversive power that comes shining through in a radical, sly and invincible manner. ‚This music can become stronger the longer and the more intensively musicians have been playing together‘, says Takase. ‚Aki And The Good Boys‘ is the lucky exception of a ‚working band‘. Evidently, the city of Berlin with its infrastructure seemlingly designed for affordable projects and experiments, is the place where a band like this can happen. And what counts for Takase is the professionality upon doing one’s job and the capability of a musician to be an active part of an ensemble. „My motto for this band is to construct new conjunctions during the act of playing. The trio will then not only ‚accompany‘. Much rather will it provide a great impulse for both wind players.“

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