Alexander von Schlippenbach-p
Evan Parker-sax
Paul Lovens-dr
35 years after the first album of the Schlippenbach trio and after numerous releases of live recordings, Schlippenbach-Parker-Lovens now present a studio recording of particular quality and atmosphere. GOLD IS WHERE YOU FIND IT shows that after years of co-operation and intensive common musical experience the Schlippenbach trio has reached its climax. The American jazz critic Ben Young states in the liner notes:
“The real story is in the nuances of line construction, how Schlippenbach, Parker, and Lovens weave the figures that they play. This really is the most advanced discipline of musical improvisation: Simultaneously chiselling one’s own line according to a personal sense of direction, while encompassing within that line the activities of the other players, and knitting it into the collective fabric.” Ben Young calls these three masters of improvisation “three wise men”.
35 Jahre nach der ersten Schlippenbach Trio-Platte und nach zahlreichen Live-Veröffentlichungen präsentieren Schlippenbach-Parker-Lovens eine Studio-Aufnahme besonderer Qualität und Athmosphäre. GOLD IS WHERE YOU FIND IT zeigt das Schlippenbach Trio nach langjähriger Zusammenarbeit und intensiver Spielerfahrung auf der Höhe des Könnens. Der amerikanische Jazzkritiker Ben Young schreibt in den Linernotes: «Die wahre Kunst liegt in den Nuancen des Aufbaus, darin, wie Schlippenbach, Parker und Lovens das, was sie spielen, zusammenweben. Dies ist die hohe Kunst der musikalischen Improvisation: sein eigenes Spiel entlang des ganz persönlichen Gefühls zu ziselieren, gleichzeitig in dieses Spiel das, was die anderen Spieler tun, mit einzubeziehen und es in das grosse Ganze hineinzuweben.” Ben Young nennt die drei Meister der Improvisationskunst «drei weise Männer».
Vinko Globokar hat einmal gesagt, beim freien Improvisieren interessiere ihn nur die erste Begegnung zwischen Musikern. Schon beim zweiten Zusammenspiel sei der Improvisationsprozeß nicht mehr frei und offen, sondern durch die gemeinsamen Spielerfahrungen belastet und eingeschränkt. Schlippenbach ist da anderer Ansicht: “Es bilden sich Klischees heraus, gewisse Dinge, die von der Erwartung her eintreffen mögen; man stellt sich darauf ein, und die Musik bekommt eine bestimmte Richtung. Wenn man es aber fertig bringt, durch solche Phasen hindurchzugehen, und sich kritisch genug damit auseinandersetzt, dann kann man einen Schritt weiterkommen. Und dann kriegt die Musik plötzlich einen festen Boden unter den Füßen, der ihr sonst erstmal fehlt.” Soweit Schlippenbach im Gespräch mit Peter Niklas Wilson.
Seit nunmehr dreißig Jahren improvisieren Paul Lovens, Evan Parker und Alexander von Schlippenbach zusammen – eine Kontinuität der gemeinsamen Spielpraxis, die selten ist in der Improvisationsszene. Sicherlich, wer Elf Bagatellen und Physics, die beiden vorangegangenen CD`s des Schlippenbach Trios kennt, wird auf Complete Combustion nur wenig neues Material, kaum neue Gestaltungsmittel und Spielideen entdecken. Schlippenbachs stringente Motivik und seine erlesenen Clusterfarben, Lovens leichtfingriges Perkussionsspiel, seine schwebende Time auf den Becken und die Einlagen mit der singenden Säge, Parkes Stakkatissimo-Kaskaden auf dem Tenorsaxophon, seine Zirkularloops auf dem Sopran, auf die seine Mitmusiker mit federnden Perpetuum-Mobile-Rhythmen antworten – all das kennt und liebt man seit langem. Neu ist vielleicht die Offenheit der Spielkonstellationen, der Wechsel zwischen Soloeinlagen, verschiedenen Duo-Konstellationen und Triopassagen unterschiedlicher Dichte und Intensität. Doch es hieße falsche Maßstäbe (diejenigen der abendländischen Werkästhetik) an eine Improvisationsgruppe anlegen, erwarte man vom Schlippenbach Trio von Konzert zu Konzert und von Plattenaufnahme zu Plattenaufnahme Innovatives und Ungehörtes. Es ist gerade der vertraute Boden, auf dem sich Schlippenbach, Parker und Lovens – die ihre Originalität und Innovationskraft übrigens jeder für sich längst bewiesen haben – bewegen, ihre Art kollektiv zu atmen, gemeinsam Spannungsbögen zu entfalten, wodurch Complete Combustion zu einem faszinierenden Hörerlebnis wird.
Martin Pfleiderer, Neue Zeitschrift Für Musik (Mai/Juni 2000)
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